Ich habe von einer Freundin das Buch von Radek Knapp gekriegt. Es heißt Herrn Kukas Empfehlungen und es ist wirklich toll.
Er beschreibt, wie ein junger Pole das erste Mal in den Westen (also alles westlich von Tschechien, alles östlich von Deutschland ist der Osten - ich frage mich nur, wo dann Mitteleuropa liegt - anscheinend gleich neben der Atlantis) fährt und ich kann mich noch sehr wohl daran erinnern, wie es in meinem Fall war.
Gleich nach der Wende wollten alle diese ganzen fremden (fremd heißt allerdings nicht fern) Länder besuchen. Nur - hatten kaum Geld.
Wenn man kein Geld hat und gleichzeitig etwas sehen will, muss er bereit sein, Opfer zu bringen. Und das waren wir!
Eine Busreise - noch jetzt bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Wir (meine Mutter, meine Schwester und ich) haben so eine Busreise nach Venedig unternommen. Einen Tag und eine Nacht unterwegs, den zweiten Tag haben wir (halb schlafend) in Venedig verbracht und am Abend sind wir wieder nach Hause gefahren. Total erschöpft und glücklich, dass wir alles heil überstanden haben.
Und die stärksten Eindrücke? Hunger ohne Ende.
Meine Mama hatte eine wunderbare Idee - sie hat ein ganzes Hähnchen gebacken und in einem Topf (in einem braunen Topf - dass weiß ich immer noch) mitgenommen. Nur - das Hähnchen haben wir schon bei der Hinfahrt aufgegessen und kein Geld gehabt, uns etwas zu kaufen. (na ja, wir hatten schon bisschen Geld, aber wir haben unserem Papa ein Radio gekauft, war viel wichtiger, was mirzubringen)
Auf der Rückfahrt konnten wir froh sein, dass es im Bus schon dunkel war. So haben die anderen Mitreisenden unsere hungrigen Blicke nicht ertragen müssen. Noch jetzt sehe ich einen Mann vor mir, wie er einen Schnitzel isst. Ich habe ihn so beneidet!
Paris war grande, Bern zauberhaft, Kiew vergoldet, Berlin regnerisch, aber Venedig war einfach nur hungrig.
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